![]() ein Verein unabhängiger Kanuwanderer | |
|
letzte Aktualisierung dieser Seite: 15.08.2003 Copyright: Henning Dierkes 72.29.82.190 |
Whanganui River (NZ)Wanderfahrt im tropischen Paradies Neuseelands
Die Karte liegt auf meinen Knien. "Gleich müßte unser Bach von links aus einem Tal auftauchen", bemerke ich. Kurz darauf lenkt Klaus auf einen Parkplatz, wir steigen aus. Tief unter uns rauscht der Whanganui River. Aus dem Vulkangebirge her strömen seine Wasser durch ein enges Tal, beschreiben eine scharfe Biegung und verschwinden zwischen den grün leuchtenden mit kleinen Wäldchen und Buschgruppen durchsetzten Bergen, auf denen Schafe und Rinder weiden. Etwas skeptisch schauen wir. Die Wasser schäumen mehrfach über ausgedehnte verblockte Passagen, gischten über und zwischen Felsbrocken, die sich ihm in einem unübersichtlichen Labyrinth in den Weg stellten.
Nach Whakahoro
Wir haben Lebensmittel eingekauft, unsere Ausrüstung in die wasserdichten Säcke verpackt, den Rest in die Rucksäcke gestopft, die Alan für uns aufbewahren will. Noch früh am Tag geht es dann los nach Whakahoro am Whanganui River. Alan zieht noch einen großen Bootshänger hinter sich her, da er am folgenden Tag mit einer größeren Gruppe ebenfalls auf dem Fluß fahren will. Kurz vor Oio biegt er von der Straße Nr. 4 ab; die Straße wird zur schmalen, gelegentlich etwas abenteuerlichen Gravel Road. Es ist warm, wir haben eine phantastische Fernsicht. Es geht durch ein Tal, eingeschlossen von hohen abgeholzten grünen Hügeln, wo Schafe und vor allem Kühe weiden. Bäche kommen von rechts und links in tiefen Rinnen und Schluchten heran. Die Straße fällt mal steil in Kehren hinunter in diese Schluchten, dann klettert sie genau so steil wieder in die Höhe. Der Hänger mit den Booten hinter uns tanzt in halsbrecherisch aussehenden Sätzen dem Zugfahrzeug nach. Nur einige kleine Ortschaften, eher Ansammlungen weniger Häuser, liegen an der Strecke. Die letzten Kilometer fahren wir hoch am Rande eines tief eingeschnittenen Tales daher, das den Nebenfluß Retaruke River nach Whakahoro zum Fluß bringt. Endlich angekommen! Jetzt geht alles sehr schnell: Boote am Fluß abladen, Umziehen, Boote beladen. Alan bringt uns noch unsere mit Trinkwasser gefüllten Behälter, dann verabreden wir uns für drei Tage später am Nachmittag in Pipiriki, am Ausgang des Whanganui Nationalparks. Winkend steigt Alan den Berg wieder hoch zur Straße. Wir haben Wanderboote bekommen, keine moderne Form. Vor der Sitzluke befindet sich genau in der Mitte eine senkrechte Stange, die das Zusammenklappen der Schifflein aus thermoplastischem Kunststoff verhindern soll. Dadurch ist der Einstieg für mich etwas erschwert. Aber die Boote sind durchaus stabil und wir sitzen bequem darin. Unser für drei Tage durchaus üppiges Gepäck haben wir bequem darin untergebracht. Schließlich wollen wir keine expeditionsmäßige Reise sondern eine gemütliche Tour machen. Da darf Wein, frisches Obst und Gemüse nicht fehlen. Zum Kaiwaka ZeltplatzWir starten auf dem linken Nebenfluß Rukateke River. Wir hatten Alan gefragt, was er über diesen Fluß wisse, aber er konnte nichts dazu sagen. Von der Größe her kann man ihn sicherlich ein oder zwei Tagesreisen oberhalb schon fahren. Da wären wir aber gerne auf Entdeckungsreise gegangen. So trägt er uns nur noch wenige hundert Meter dem Whanganui River entgegen. Wir haben kaum abgelegt, da wird es still um uns, die vorhin schon nur noch gedämpften Geräusche des Ortes sind sofort verschluckt. Dafür zieht es uns in eine aufregend schöne, fremdartige Schlucht. Rechts und links steile baum- und buschbewachsene Hänge mit den vielen uns fremden neuseeländischen Pflanzen. Es sieht für uns wie die Reise in einen tropischen Urwald aus. Und dieses Bild begleitet uns denn auch während der gesamten Fahrt. Breit und glatt wälzt sich von rechts der Whanganui River heran. Seine Kraft zeigt er uns gleich bei der Ausfahrt aus dem Kehrwasser, das er an der Mündung des Rukateke bildet. Ich gebe mir alle Mühe, einen geraden Kurs zu fahren, kann aber, genau wie meine beiden Freunde, nicht verhindern, von den kräftigen Wirbeln mehrfach versetzt zu werden. Nur wenige Minuten, da rauscht die erste Stromschnelle; über eine mit Kies bedeckte Felsrippe; kaum verblockt, geht es eine lange Strecke mit ziemlichem Tempo hinunter. Die Stromzunge wird immer enger, bäumt sich am Ende in einer Widerwelle auf - und wir sind hindurch, werden jedoch von einer kräftigen Verwirbelung unfreiwillig zu einem etwas gewundenen Kurs gezwungen. Was ich befürchtet hatte ist wahr geworden. Die Form der Boote gibt dem Wasser recht viel Angriffsfläche, so daß sich ein Gefühl von Instabilität einstellt. Das ist - und wurde - auf der weiteren Strecke nicht gefährlich, weil der Whanganui insgesamt recht einfach zu befahren ist, aber unser Freund Klaus, der noch kaum Erfahrung mit Wildwasser hat, fühlt sich doch ein wenig unsicher - und die Durchfahrt durch die Widerwelle sah bei ihm auch recht wacklig aus. Und er selbst hat auch nicht gerade begeistert geschaut.
Es ist noch recht früh am Nachmittag, da besehen wir uns die Karte und beschließen, nur noch einige Kilometer zu fahren und auf dem Campplatz von Kaiwaka zu übernachten. Diese Campplätze werden von der Nationalparkverwaltung - auf Maori: Te Papa Atawhai - eingerichtet und unterhalten. In der einfacheren Form findet sich dort ein regensicherer Unterstand mit Tisch und Bänken, eine Toilette und eine Zisterne, die das Regenwasser vom Dach des Unterstandes sammelt und aufbewahrt. Es wird dringend geraten, das Wasser abzukochen oder chemisch zu behandeln, da es in den neuseeländischen Gewässern auch Giardia lamblia gibt, einen Parasiten, der im menschlichen Verdauungstrakt eingenistet zu sehr unangenehmen Krankheitserscheinungen führt und der in manchen Fällen, einmal in die Blutbahn eingedrungen, lebensgefährliche Infektionen auslöst. Auch aus diesem Grunde haben wir sauberes Trinkwasser mitgenommen - und gedenken, einen Teil unseres Durstes abends mit gutem neuseeländischem Landwein zu löschen. Aber erst müssen wir dort noch hinkommen. Wieder rauscht vor uns eine Schnelle, an ihrem Fuße große Tellerwirbel, in denen es nicht gerade einfach ist, einen geraden Kurs zu halten. Hinter mir ein Schrei. Ich drehe mein Boot: Klaus schwimmt. Aber er behält die Nerven, hat sein Boot gepackt, schickt Günter hinter dem Paddel her. Ich paddle zu ihm hin, er hängt sich an mein Heck, und so ziehe ich ihn ans Ufer. Bald ist dort das Boot ausgeleert, nichts ist verloren gegangen, unsere Ausrüstung ist gut wasserdicht verpackt. Nur der Karton, in dem der Landwein wartet, gibt ein trauriges Bild ab. Aber das stört uns nicht; sein unbeschädigter Inhalt wird uns trotzdem schmecken. Noch während wir Klaus "trockenlegen" passiert uns eine Gruppe von drei Kanadiern mit jungen Leuten. "Alles in Ordnung?" fragen sie, und als ich bejahe fahren sie beruhigt weiter - und wir bald auch. Die nächste Schnelle. Und wieder schwimmt Klaus. Wieder geht die Bergeaktion ohne Schwierigkeiten vonstatten. Diesmal hat er sogar noch sein Paddel sofort geborgen. Und als er dann wieder trocken in seinem Kajak sitzt meinte er grinsend: "Das ist nur passiert, weil ich mein Boot eben so beschimpft hab`, weil es in eine andere Richtung wollte als ich. Jetzt hat es mir mal gezeigt, was eine Harke ist". Ob das wohl nicht eher einer der Flußgeister war? In den vielen Winkeln, Schründen, Höhlen und Ecken haben sie gute Versteckmöglichkeiten - und sicher hocken sie jetzt grinsend und lachend zusammen und feixen über ihren Schabernack. Bald ist denn auch Kaiwaka erreicht. Dort gibt es erst mal eine ziemliche Plackerei, als wir an dem steilen Ufer mit matschig-san-digem Boden aussteigen. Kaum ist die Ausrüstung jedoch hochgeschleppt, die Zelte stehen und das Abendessen ist zubereitet, da geht es uns wieder bestens und wir genießen einen stillen Abend, blicken versonnen auf den ruhigen Fluß mit seinen steilen Felsufern, gesäumt von dichtem Busch- und Baumbestand. Im Becher leuchtet ein kräftiger trockener Roter und im Magen breitet sich ein wohliges Gefühl nach dem Genuß von Salat, Steak, Lammkoteletts und Pellkartoffeln aus. Nach dem touristischen Rummel der vergangenen Tage in der Vulkanregion der Nordinsel ist dies hier der richtige Kontrast in der Stille und Ruhe des abgelegenen Flußtales, das uns wieder zu uns selbst finden läßt. Tieke MaraeWieder ein heißer sonniger Tag. Beladen wird hoch auf dem Ufer und die Boote dann an langer Leine ins Wasser gelassen. Der Fluß hat uns wieder. Heute paddelt Klaus wesentlich vorsichtiger, fährt in Schnellen gezielt hinter uns her, beobachtet auch, welche Route wir nehmen - und hat auch keine Schwierigkeiten mehr. Das kommt seinem Selbstvertrauen natürlich zu Gute. Das Bild des Flusses bleibt gleich: tiefe Schluchten mit steilen Felswänden, darinnen scharfe Furchen, in denen sich Bächlein in den Fluß ergießen, meist die letzten Meter in Wasserfällen. Der Whanganui River wird auch über lange Strecken leichter, wir müssen kaum mal wirklich aufpassen, haben so besonders viel Zeit und Gelegenheit, uns umzuschauen. Mehrfach passieren wir die Gruppe junger Leute in Kanadiern, junge Neuseeländer, die zwar nicht sonderlich gut paddeln können, aber auch ganz locker an die Sache herangehen und eine Kenterung nicht sonderlich ernst zu nehmen scheinen. Auch zwei junge Männer aus England überholen wir. Sie haben von ihrem Verleiher von der Form her schauerliche Boote bekommen, haben Probleme, ihre Kajaks sicher zu führen - und erzählen uns später auch, daß sie oft Kenterungen hatten.
Wo das Tal des Flusses in Terassen zurückweicht, da lebten bereits seit dem 11. Jahrhundert in kleinen Dörfern Maori, die dort ihre Feldfrüchte anbauten und vom Fischfang im Fluß lebten, in dem es besonders Aale, Neunaugen, Forellen, Süßwassergarnelen und Schwarzflundern gibt. Die Fische wurden in kunstvoll errichteten Barrieren gefangen. Für jede der großen Mäander des Flusses war ein Wächter - Kaitiaki - bestimmt, dessen Aufgabe es war, die Lebenskraft - Mauri - des Ortes zu schützen. Das Prestige - Mana - einer Siedlung hing davon ab, wie effektvoll die Versorgung mit Lebensmitteln war und wie gut das Dorf für die dortigen Menschen und die Besucher als Lebensraum gehalten wurde. Im Laufe der Zeit errichteten die Leute vom Stamm der Te Atihaunui a Paparangi eine ganze Kette von Siedlungen - Pa - die "die geschützten Sehnen des Hinengakau" genannt wurden. Das umgebende Land ist, erdgeschichtlich betrachtet, "nur" eine Million Jahre alt, besteht aus weichen Sand- und Schlicksteinschichten. Vom Wasser ist es zu scharfen hoch aufragenden Bergketten erodiert, zwischen denen tiefe, dunkle und steile Schluchten mit Kliffs und Wasserfällen liegen. Die alles überdeckende Flora trägt für uns Europäer magisch fremd klingende Namen wie Rata, Rewarewa, Rimu, Tawa, Kamahi und Kowghai, Bäume und Büsche, dominiert von neuseeländischen Buchen auf den Bergspitzen. Die ersten Europäer in der Region waren um 1840 Missionare. Ab 1891 gab es einen regulären Schiffsdienst auf dem Fluß, der Fracht und Post zu den Siedlern zwischen Taumarunui und Pipiriki brachte, sowie für einen aufstrebenden Tourismus zwischen der Hafenstadt Wanganui und dem Vulkan Ruapehu sorgte. Um 1920 ging dieser Flußtourismus zurück, weil bessere Straßen und eine Eisenbahnlinie entstanden. Aber noch in den fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts fuhren Fracht- und Fahrgastboote auf dem Fluß. Nach dem ersten Weltkrieg versuchte die neuseeländische Regierung, Veteranen rechts und links des Flusses anzusiedeln. Aber die Lebensbedingungen waren so harsch und schwierig und die Gegend so abgelegen, daß einer nach dem andern wieder aufgab, obwohl es erhebliche Hilfen für die Ansiedlung gegeben hatte. Bald lag das Land wieder ruhig und fast unbewohnt. Aus dieser Besiedlungszeit stammt auch die Bridge to Nowhere. Die dazugehörige Straße wurde nie erbaut, weil fast niemand mehr am Fluß und in seiner Nähe wohnte, der sie benutzen konnte. Und so dient sie heute nur noch für Fluß- und Fußwanderer als touristisches Anschauungsobjekt, von dem aus man auch einen tollen Blick in die umliegenden Schluchten genießen kann. Nach dem Abzug der letzten Siedler wurde das brachliegende Land dann als Nationalpark eingerichtet. In den Büschen und Wäldern gibt es eine Menge von Vögeln und der Ruf des Kiwi ist nachts oft zu hören, obwohl man den scheuen Vogel kaum zu Gesicht bekommt. Aufgrund seiner isolierten Lage - an die 2.000 km vom nächsten Festland in Australien entfernt - gibt es in Neuseeland außer ein paar Fledermausarten keine ursprünglichen Säugetiere; die Fauna bestand vor allen Dingen aus Vögeln und Insekten; es gibt keine giftigen Schlangen, keine Skorpione und ähnliche unangenehme Lebewesen. Und weil die Vögel keine Feinde kannten, entwickelten sich viele zu flugunfähigen Bodenlebewesen, die dann später bei der Einfuhr und Einwanderung räuberischer Säugetiere, wie z.B. Ratten, Katzen, Hunde, in ihrem Bestand dezimiert wurden und teils schon ausgestorben sind, teils gefährdet. Hier im Mikrokosmos des Flußtales scheint uns diese Problematik weit weg zu sein; hier sieht es aus wie kurz nach dem Beginn der Schöpfung. Wir müssen schon ganz genau hinschauen, um gelegentlich die Spuren von menschlichen Aktivitäten zu erkennen und zu entdecken. Obwohl der Whanganui River meist ganz glatt dahinfließt trägt er uns doch recht schnell vorwärts. Es ist noch früh am Nachmittag, als sich das Tal plötzlich weitet, einem großen Kessel Platz gibt, der terassenförmig rechts und links ansteigt. Rechts am Hang sehen wir Wiesen, dazwischen Gebäude, eine große Farm - Raumanue. Hier können wir laut Karte auf einem offiziellen Campground für 5 Dollar pro Person zelten. Links auf der untersten Terasse ist eine große Schutzhütte der Nationalparkverwaltung. Auch hier können wir übernachten. Tieke MaraeWir wenden uns nach links. Außer der Schutzhütte zieht uns hier noch eine weitere Gegebenheit an. Es ist Tieke Marae - das Dorf Tieke - einer Gruppe Maori, die sich hier niedergelassen haben. Sie liegen im Streit mit der Nationalparkverwaltung und damit mit der Regierung, weil diese ihnen das Recht streitig macht, auf diesem ihrem eigenen Grunde zu leben. Jahrelang hatte der Platz verlassen gelegen. Als dann der Nationalpark errichtet und die Schutzhütte gebaut wurde, sollten die ehemaligen Eigentümer auch den "Eintritt" in den Nationalpark bezahlen, wenn sie einmal an der Stätte der Gräber ihrer Vorfahren weilen und beten wollten. Dagegen wehrten sie sich; und als sich der Streit hinzog, die Nationalparkgebühren noch weiter erhöht wurden und mit Sanktionen bei "unberechtigtem Eindringen" in den Park gedroht wurde, machten die Maori kurzen Prozeß: Mit mehreren Familien fuhren sie den Fluß hinauf und bauten am Platz vor und neben der Schutzhütte ihre Zelte auf, um dort ihrer Art gemäß zu leben und zu wirken. Sorgfältig achteten sie dabei darauf, nichts zu zerstören, hielten den Platz sauber - und luden die Flußwanderer ein, zu ihnen zu kommen, aber auch ihre Sitten und Bräuche zu respektieren. Und genau das haben wir vor. Auch die jungen Leute in den Kanadiern sowie die beiden Engländer legen an. Kinder, Halbwüchsige und ein junger Mann kommen vom Marae zu uns herunter. Er bedeutet uns, daß wir etwas warten sollen, bis man uns rufe und uns nach der Sitte seiner Leute begrüßen könne. So vertreten wir uns unten am Fluß erst ein wenig die Füße und ich nutze die Zeit, schon ein Stück das steile Ufer hinaufzuklimmen. Schließlich dauert das bei mir deutlich länger, als bei nicht Behinderten.
Dann hält der Chef des Dorfes - auf Maori "Pa" - eine Rede, erst auf Maori, dann übersetzt er ins Englische. Ohne Theatralik wirkt er dabei doch mit natürlicher Würde. Auf Englisch hören wir dann, daß man uns willkommen heißt, um Respekt vor dem Platz und den Sitten der dort wohnenden bittet auf dem Lande der Maori vom Stamm der Te Atihaunui a Paparangi. Einer der jungen Neuseeländer bedankt sich im Namen aller. Klaus, Günter und ich hatten gerade einen Tag vor unserer Abreise nach Neuseeland im "Kanu - Sport" einen Bericht über eine Fahrt auf dem Whanganui River gelesen. Darin war auch recht bewegend über dieses Dorf und die Freundlichkeit seiner Bewohner berichtet worden. So stand auch ich auf, berichtete von dieser freundlichen Kunde über ihr Dorf im fernen Deutschland und daß diese Reportage uns so zu Herzen gegangen sei, daß wir beschlossen hatten, unbedingt bei ihnen vorbeizuschauen. Eigentlich folgt nach dem Protokoll nun auch ein Gesang der Gäste, aber bei unserer gemischten Gruppe kommt da nichts zustande. Die Maori akzeptieren das auch und begrüßen nun auf ihre Art jeden einzelnen von uns auf traditionelle Weise mit dem Hongi, dem Zusammenpressen der Nasen und dem Friedenswunsch. Dieses Zusammendrücken der Nase ist ein Zeichen für das gemeinsame Atmen der lebensnotwendigen Luft, also ein Zeichen für Frieden und Gastfreundschaft. Neben der Schutzhütte ist ein großes offenes Zelt aus Stangen, Plastik- und Baumwollzeltbahnen aufgebaut, darunter Tische, Bänke, eine große Kücheneinrichtung für alle Bewohner, einen großen geschützt aufgebauten Herd und Feuerplatz, wo ständig Wasser heiß gehalten wird. Dorthin werden wir nun gebeten und zu Kaffee und Tee eingeladen. Zwanglos hocken alle beieinander, die Kinder gehen "zur Tagesordnung über" und spielen - wenn sie uns nicht neugierig zusehen, ohne aufdringlich zu werden und zu wirken. Ich habe einige kurze Gespräche über den von mir erwähnten Bericht und verspreche dem Chief, den Bericht zu kopieren und die wichtigsten Passagen ins Englische zu übersetzen und ihnen zu schicken. Wir drei belegen einen der Schlafräume in der Schutzhütte. Das erspart uns den Zeltaufbau. Als wir noch überlegen, was wir zu Abend kochen und essen wollen, erscheinen wieder junge Leute, laden uns ein und sagen uns, daß das Abendessen gerichtet sei. Es gibt ein einfaches aber gutes gemeinsames Abendessen. Neben den Gesprächen mit Bewohnern des Tieke Marae plauschen wir auch mit den jungen neuseeländischen Leuten. Sie haben ihre Fahrt fast 60 km oberhalb von Whakahoro in Taumarunui begonnen. Eine junge Frau, sie ist gebürtige Schwedin lebt aber schon einige Jahre in Neuseeland, fragt uns, ob wir auch im Fluß geschwommen seien. Erst denke ich an Baden und will ihr gerade erklären, daß es für mich etwas schwierig ist, in diesem Gelände in den Fluß zu gehen und wieder herauszukommen; dann aber verstehe ich, daß sie Kentern meint. Ich weise auf die Kenterung unseres Freundes Klaus hin, deren Folgen sie ja gesehen hätten, aber sonst seien wir nicht ungeplant in den Fluß geplumpst. "Oh," meint sie, "bei uns war das aber anders. Wir sind oft schwimmen gegangen." Nun ja, der Whanganui River ist zwar kein schwieriger Fluß, aber wenn man ihn ohne jede Erfahrung angeht, kann man in den Schnellen durchaus schnell mal umkippen. Im weiteren Gespräch gesteht sie, daß sie jetzt kurz vor Weihnachten immer Heimweh bekomme, obwohl es ihr sonst in Neuseeland sehr gut gefalle. Aber nun sei in ihrer Heimat alles von Schnee bedeckt, weiße Weihnachten stehe vor der Tür, das vermisse sie in ihrer neuen Heimat sehr. Weiße Weihnachten, das ist allerdings in Neuseeland - außer auf den Gipfeln einiger sehr hoher Berge - kaum zu erwarten, denn auf der Südhalbkugel der Erde ist jetzt schließlich Sommer. Nach dem Abendessen ist Relaxen angesagt. Eine Reihe der Maori setzen sich zusammen und studieren neue Lieder ein. Auch wenn beim Üben noch nicht alles klappt, für uns klingt es schon jetzt schön und melodisch. Und wir studieren die fremdartigen Worte der Texte, die auf einer großen Tafel aufgeschrieben sind. Im Marae gibt es Kaffee und Tee soviel man will, dazu Fruchtsäfte und Wasser. Alkohol - wie auch Tabakrauch - sind nicht erwünscht, und jeder hält sich auch daran. Am späten Abend erst gehen wir zu unserem Lager in der Hütte. Obwohl doch recht viele Leute hier in der Hütte und in den Zelten schlafen ist die Nacht still und angenehm - und wir schlafen tief und fest. Nach PipirikiBevor es zum Frühstück geht haben wir schon gepackt. Das Frühstück wird wieder gemeinsam unterm Zelt eingenommen. Dann heißt es Abschied nehmen. Wir legen alle unsere restlichen Lebensmittel und ein wenig Geld auf den Tisch und lassen es als Dank für die genossene Gastfreundschaft hier - unser Koha - das Gastgeschenk. Als wir unsere Boote schwungvoll in den Fluß lenken stehen die jungen Bewohner des Tieke Marae am Ufer und winken uns nach. Die Sonne sticht. Bald treten die Wände rechts und links wieder eng zusammen, wirken noch wilder und steiler als auf unserer bisherigen Reise. In der engen Schlucht wird es düster - aber nicht nur wegen der hohen und steilen Felswände, es beginnt auch, sich zu beziehen. Aber es ist warm und angenehm, so daß wir den Wolken keine sonderliche Aufmerksamkeit schenken - bis es zu regnen beginnt. Es ist kein eigentlicher richtiger Regen, es ist ein ganz feines Nieseln, aber so dicht, daß wir in recht kurzer Zeit durchnäßt sind und trotz der Wärme schnell in die Paddeljacken schlüpfen. Die Felswände glänzen von der Nässe. Teilweise sind sie so glatt und steil, daß sich über große Flächen keine Pflanzen haben ansiedeln können. Mehrfach sprudelt oder rauscht aus Spalten oder Löchern Wasser in den Fluß. Am Scheitelpunkt einer besonders engen Kurve finden wir rechter Hand eine Höhle, die Puraroto Caves. Für mich ist der Weg zu beschwerlich, es wäre mehr Klettern als Gehen. So machen sich nur Klaus und Günter auf den Weg, machen aus der Höhe auch ein paar Fotos, wie ich klein und winzig unten zwischen den Felsklötzen am Ufer in meinem Boot sitze. Wo sich das Tal wieder weitet, nur wenige Kilometer vor Pipiriki, treffen wir nochmals auf eine Serie von Stromschnellen. So-wohl bei der neuseeländischen Gruppe als auch bei den Engländern beobachten wir Kenterungen, Auflaufen auf Untiefen und Felsen, Treideln der Boote durch hüfttiefes Wasser. Das Flußbett ist breit, durchsetzt mit Felsbrocken, Kiesinseln, zwischen denen sich der Whanganui River in mehreren Armen schäumend hindurchwindet. Die Passagen sind nicht wirklich schwierig, verlangen aber, daß man sich vorher seinen Weg genau erkundet und ihn dann auch einhält. So kommen wir heute unbeschadet und ohne naß zu werden wieder in ruhiges Fahrwasser - wobei selbst die zusätzliche Nässe einer Kenterung uns nach dem Regen kaum noch nasser hätte machen können. Auf dem linken Ufer, an den steilen Berghang geschmiegt, tauchen einige Hütten auf, ein betonierter Slip senkt sich ins Wasser. Hier ist unsere Fahrt zu Ende. Wir sind in Pipiriki. Während der Regen langsam aufhört entwickelt sich auf der Betonfläche bald ein buntes Treiben. Die Boote werden entleert, alle steigen in trockene Kleidung, packen ihre Ausrüstung wieder zusammen. Eine nach der anderen werden unsere drei Gruppen von den Bootsausrüstern abgeholt - wir sind die Letzten. Ein junger Mann bringt uns nach Ohakune zur Basis von Yeti Tours zurück, wo unser Wagen wartet. Ich habe viele schöne Gewässer in meinem Leben gepaddelt. Der Whanganui River ist davon eines der schönsten! InfosDer Wanganui River entspringt in den Vulkanbergen der Nordinsel Neuseelands, südlich des Lake Taupo. Ab Cherry Grove bei Taumarunui, an der Straße Nr. 4 gelegen, wird er als auch von Anfängern fahrbarer Wanderfluß angesehen; in diesem Ort sind auch die ersten Bootsverleiher und Anbieter von geführten Touren anzutreffen. Von hier bis Pipiriki am Ausgang des Nationalparks sind 145 km zu fahren. Die Fahrt kann auch noch weiter bis Wanganui an der Mündung ins Meer fortgesetzt werden. Informationen zum Whanganui National Park und zum Fluß sind erhältlich bei der Nationalparkverwaltung:
Department of Conservation Dort kann ein Büchlein über Wanderwege und Bootsfahrten im Park erworben werden. Bootsverleiher und geführte Bootstouren:
Pioneer Jet Boat Tours
Rivercity Tours Ltd
Yeti Tours |