Die Wassergeusen - ein Verein unabhängiger Kanuwanderer

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letzte Aktualisierung dieser Seite:
15.08.2003
Copyright: Henning Dierkes

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Drei rote Quietscheentchen auf großer Fahrt


Eine Paddeltour durch die Schären an der Ostküste von Südschweden von Västervik nach Oskarshamn. Im Sommer 9999.

Handelnde Personen: Katja, Tatjana und Jens und drei rote Seekajaks


Es war eigentlich mal wieder ein typischer Start, bis zur vorletzten Minute war Tatjana voll im Einsatz mit letzten Korrekturen, Versetzungskonferenz, Zeugnisse schreiben etc.. So blieb beim Packen nur noch eins: alles, was sie in den letzten Tagen so schön zurechtgelegt hatte, zusammenpacken und in ihren 15 Jahre alten VW-Bus werfen und gegen 1:00 nachts kam sie dann endlich los. Potsdam erreichte sie am folgenden Abend ohne Zwischenfälle. Donnerstag früh traf sie dann in Moabit auf Katja und Jens samt Ausrüstung. Tatjana auf hoher See, im Hintergrund der Dämman Nun beginnt der gemeinsame Urlaub, in Rostock nehmen wir die Fähre nach Trelleborg. Wolken bedecken grosse Teile des Himmels, als wir uns an Deck in die Liegestühle packen, eine Stunde später wachen wir bei strahlendem Sonnenschein wieder auf. Wenn das kein gutes Omen ist, wo es doch wochenlang so viel geregnet hat! Da wir in Trelleborg schnell vom Schiff sind (21:05), fahren wir noch bis zur Südostspitze und bauen im letzten Tropfen Tageslicht unsere Zelte auf dem Parkplatz von Sandhammaren auf. Katja ist zum ersten Mal in Schweden, sie soll auf der Fahrt nach Vinö möglichst viel sehen. Wir beginnen mit der grossen Schiffssetzung ALES STENAR und extra für uns kommt die Sonne hervor. In Kivik versorgen wir uns mit leckerem Vollkornbrot, geräucherten Makrelen, und eingelegten Heringen (in Curry bzw. Meerrettich Sauce - Hmm lecker!). Danach flanieren wir um das SCHLOSS VITTSCHÖVLE und betrachten die wundervollen Malereien zur Schöpfungsgeschichte in der hiesigen Dorfkirche.

AHUS statten wir ganz spontan einen Besuch ab und entdecken hier eine gemütliche Altstadt, die zum Bummeln und Kaffeetrinken einlädt. Dank schwedischer Hilfsbereitschaft finden wir auch ohne Landkarte zu einem Campingplatz, wo wir erst einmal alles auspacken und neu sortieren, denn das Motto dieses Urlaubes scheint wohl zu lauten: "Ja, hab` ich mit, aber ich weiss nicht wo". Der Campingplatz bietet laute Musik, aber auch warme Duschen, hier finden sich auch die Karten wieder an. rote Boote auf grüner Wiese Mit einem genüsslichen Abstecher durchs Vorderland zwischen E22 und Küste erreichen wir am nächsten Tag schliesslich Vinö, nördlich von Västervik. Von hier aus wollen wir unseren Paddeltrip starten. Auf dem Campingplatz erfahren wir von anderen Urlaubern, dass dies der erste schöne Tag nach langem, heftigem Regen ist, man merkt es dem Platz auch an, an vielen Stellen ist er quatschnass. Am Abend beginnen wir mit unserem Vorlesebuch "Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen" . Wir erfahren wie Nils Holgersson zum Wichtelmännchen wird und mit dem Gänserich Martin davonfliegt, das Land zu erkunden.

Der folgende Tag ist für einkaufen und Klamotten packen vorgesehen. Da Sonntag ist müssen wir uns sputen, damit wir noch rechtzeitig in Loftahammar sind bevor der Laden schließt. Nach einem Eis bzw. Kaffee zur Stärkung kehren wir zu unserem Campingplatz zurück, um uns ans Einpacken zu machen. Die Packerei dauerte dann doch etwas länger als geplant, aber wir haben es ja nicht eilig - schließlich sind Ferien - und so beschließen wir erst am folgenden Morgen zu starten. Nils Holgersson fliegt an diesem Tag über Blekinge dahin.

Nachdem dann am nächsten Tag endlich alles in den Booten verstaut ist, gibt´s noch ein Eis zum Abschied und endlich geht´s auf´s Wasser hinaus. Ein paar nette Schweden machen noch ein Foto von uns dreien, und schon sind wir weg. Unsere erste Tagesetappe ist nicht sehr weit, denn es ist schon Mittag und wir müssen erst sehen wie es geht mit den schwerbeladenen Booten. Wir paddeln bei Sonnenschein und wenig Wind bis Dagsholm, einer winzigen Insel die sonst den Schwänen vorbehalten ist, heute jedoch waren wir schneller. Die Zelte schlagen wir im feuchten weichen Moos auf wo wir wunderbar schlafen werden und verbringen unseren ersten Abend auf den Inseln vorn auf einer Felsnase, gemütlich bei Lagerfeuer, eingelegten Hering zu Pellkartoffeln mampfend und den Sonnenuntergang bewundernd. Mit Nils Holgersson besuchen wir heute Karlskrona.

Am nächsten Tag geht's weiter Richtung Osten. Im Kanal zwischen Nörra un Södra Malmö finden wir ein "Achtung Elche queren"-Schild mitten im Wasser (daneben am Ufer grasen allerdings friedlich ein paar Kühe). Leuchtturm auf hoher See Eigentlich wollten wir an diesem Tag bis Skaftholm, aber bei zunehmendem Südost Winden beschliessen wir uns ein windgeschützteres Plätzchen zu suchen und landen an der Nordspitze von Flatholm an. Nach einem erkundungsgang wird der Platz für o.k. erachtet - wir bleiben! Hier stehen uns Felsplatten auf verschiedenen Ebenen zur Verfügung und wunderschön weiche Zeltplätze auf Irisch-Moos im Schutz der Kiefern. Nils Holgersson erzählt uns an diesem Abend von seinem Flug über Öland. An diesem Platz verbringen wir zwei unvorhergesehene Ruhetage, den ersten wegen eines verdorbenen Magens von Katja bei strahlendem Sonnenschein, und den zweiten bei Regen (tat Katja auch noch mal gut, vor allem wegen der ausbleibenden Hitze!). Wir vertrieben uns die Zeit mit Schlafen, Lesen, Vorlesen und wer konnte oder wollte mit Essen. Von Nils Holgersson erfahren wir die Sage über Smaland, wie es entstanden ist, und wie er von den Krähen geraubt wurde.

Am darauffolgenden Tag nach einer durchregneten Nacht wird alles wieder in den Booten verstaut und abgelegt gen Süden. Es geht vorbei an Skaftholm und trotz zunehmendem Süd-Ost Windes entscheiden wir uns seewärts an Gransö entlang Richtung Mjödö zu paddeln. Für Katja ist es die Feuertaufe bei Kabbelwasser und Gegenwind ("war ja gar nicht so schlimm!"). Umso gemütlicher wird es, sobald wir Marsholm umrundet haben und im Windschatten gemütlich auf Mjödö zudümpeln. Auf der Insel angekommen stellen wir fest, dass die Ostsee einen gut 10 cm höheren Wasserstand als imVorjahr hat, als Tatjana und Hermann hier zelteten. Wegen des Windes bleiben wir mit unserer Tarp mitten im Wald und auch das abendliche Feuerchen fällt nur klein aus, das Holz will nicht so richtig brennen. Nils Holgersson entführt uns heute zum Takernsee.

Für den nächsten Tag ist ein Besuch in Västervik vorgesehen. Eigentlich noch nicht unbedingt notwendig, bietet es sich einfach an, ein bischen frische Lebensmittel zu kaufen und die Wasservorräte zu ergänzen. Zudem ist Västervik ein hübsches Städtchen mit bunten kleinen Holzhäusern in Gassen, wo in allen Ecken und Winkeln Blumen blühen (Hortensien, Stockrosen und vieles mehr). Um das Problem der Bootswache zu umgehen, erfragen wir in "Västervik Marina" die Erlaubnis unsere Boote 3 Stunden zu lagern. Hier können wir auch gleich den Müll entsorgen und Wasser fassen. Jens beim Lesen In den Strassencafés sitzen viele Menschen an den Tischen, während Tauben und Krähen auf den Tischen sitzen und sich die Reste holen. Wir essen vogelfrei zu Mittag, ehe wir frohen Schrittes zu dem Laden an den Stegen für Tagesbesucher streben. Keine Wagen, keine Plakate - kein Laden mehr! Sch... Na ja, erst mal in den Buchladen eine Gröna Karta kaufen, doch der hat schon zu (es ist Samstag Mittag). Doch zum Glück leuchtet uns ein "Ahlens"-Zeichen entgegen - wir bekommen doch noch was zu essen. Es ist heiss Katja und Jens fühlen sich unwohl als wir herauskommen un so gehen wir gleich zu den Kajaks zurück. Als wir ablegen passiert ein schöner hölzerner Zweimaster, teilweise unter Segel; die Bucht. Mit Rückenwind haben wir Mjödö bald wieder erreicht. Trotzdem ist es inzwischen Abend geworden und Nils Holgersson erzählt uns seine Geschichte über den Kolmarden - ein grosses Waldgebiet.

Anderntags ist an Weiterfahrt nicht zu denken, Katja und Jens haben Dünnpfiff. Was soll's, wir haben Zeit und Uzara, die Sonne scheint und seelisch-moralisch geht es den beiden gut. Sie schonen sich, lesen, Katja malt ein Bild von unserer Aussicht, während Tatjana zu Fuss die Insel umrundet und dabei auch nur 2mal Sonnenbadende aufschreckt. Beim Springen über die Felsen bremst sie plötzlich mitten im Sprung ab, denn eine Schlange liegt zwischen den Steinen - und ist dann doch nur noch die Haut der Schlange. Während man auf der Ostseite in der Sonne brät, weht einen auf der Westseite der Wind fast vom Felsen. Ein kühles Bad ist ein guter Abschluss. Das Bild ist inzwischen auch fertig und schön geworden, Katja guckt auch schon wieder frech, nur Jens hängt noch ein bisschen ab. Nils Holgersson fliegt heute mit uns über Södermanland. Kartoffelbrei zur Stärkung und früh ins Zelt hilft, dass wir am nächsten Tag alle drei wieder frohen Mutes in die Sonne gucken. Der Wind hat mehr auf West gedreht, so dass wir doch nicht zum Gränsö Kanal paddeln, sondern uns östlich von Gransö im Windschatten halten. Die Querung Richtung Scaftholm ist spritzwassernass aber problemlos. Der Wind drückt das Wasser zur Insel, so dass die Anlanderille in der Felsplatte geflutet ist. Zwar liegen wir nicht ganz im Windschatten, aber die Aussicht und die Felsplatten sind es wert ein wenig zu frösteln (wozu hat man schliesslich die dicken Klamotten mitgeschleppt). Dicke Wolken und klarer blauer Himmel wechseln sich ab. Heute nutzen wir das Abendfeuer auch zum Wärmen, während Nils Holgersson uns etwas über die Hexe Ysetta Kajsa erzählt.

Die ganze Nacht war es windig, eine Zeitlang rauschten die Böen gewaltig durch die Baumkronen und ließen alle Zeltwände flattern. Gegen Morgen wird es ruhiger und so schlafen wir bis 9:00 Uhr. Mit Scorpa gegen den ersten Hunger sitzen wir dann auf den Felsplatten unter strahlend blauem Himmel in Sonne und leider auch Wind und studieren die Karte. Die beiden alternativen für heute geplanten Zeltplätze garantieren auch nicht mehr Windschutz, also beschliessen wir zur Abwechslung mal wieder einen Ruhetag einzulegen. sonnige Steinküste vor Gewitterwolken Während unseres Spätstücks (von Frühstück kann um halb elf wohl keine Rede sein) ziehen, wie stets, allmählich Wolken vom Festland her auf. So ist denn nun für Abwechslung gesorgt, Katja und Tatjana stricken, Jens liest aus Nils Holgersson vor, der uns heute über Västmanland und den Bergwerksdistrikt berichtet, und im Wechsel mit Wolken und Sonne wechseln auch wir von "mit" zu "ohne" T-Shirt, manchmal im Minutentakt. Mit skeptischen Blicken verfolgen wir die Wolken und kündigen jede Entwicklung an: Rimini (Sonne) oder Sylt (schwarze Wolke) (das soll keine Diskriminierung sein). Die Abendsonne taucht die Schären in oranges Licht. Ein Regenguss bringt uns einen Regenbogen, darunter sonnenbestrahlte Inseln vor schwarzem Himmel. Zum Schluss leuchten die Wolken pink und orange.

Der folgende Morgen bringt strahlend blauen Himmel und annähernd Windstille an unserem Platz, da der Wind mehr gegen Nord-West gedreht hat. Obwohl es fast zu schade ist weiterzufahren bleiben wir bei unserem Entschluss und packen unser Gerödel wieder in die Boote. Die Sonne knallt uns auf den Rücken und der Wind ins Gesicht, als wir an Flatholm vorbeipaddeln, diesmal westlich. Durch einen kleinen Schiffskanal leuchtet ein ochsenblutrot gestrichenes Haus am Ufer von Södra Malmö. Wir geniessen den Windschutz der Insel und erfreuen uns an den bizarren Felsufern. Kaum haben wir den Malmösund im vollen Wind gequert, als wir erst mal Pause machen. Tatjana schwimmt zu einer vorgelagerten Insel und wärmt sich danach auf einer sonnendurchtränkten Felsplatte wieder auf. Schon kurz nach dem erneuten Start beginnen wir nach einem Zeltplätzchen zu suchen. Auf einer Insel stehen Pferde, doch direkt daneben liegt eine Schäre mit Felsplatten bis hoch oben. Man könnte hier zelten, doch erst einmal geniessen wir das Faulenzen und die Sonne. Später erkunden wir die restliche Schäre genauer und verlegen die Boote auf die andere Inselseite, wo wir auf Moos und Gras statt auf Fels zelten können. So wird es spät mit Kochen. Dementsprechend heisshungrig machen wir uns über unsere Nudeln her, als diese endlich gar sind. Kurz darauf, schon nach einem Kapitel Nils Holgersson, der uns heute über den Fluss Dalälf aufklärt, treiben uns die Mücken in die Zelte.

Am folgenden Tag brät uns die Morgensonne in unseren Schlafsäcken. Im Schatten ist es zu kalt, doch die Auswahl an Felsplatten bietet uns die Möglichkeit sonnig und warm zu frühstücken. Es folgt ein kühles Reinlichkeitsbad. Ein bisschen Nils Holgersson und dann erkunden wir erst mal unsere Insel. Gegen die gemeinen roten Waldameisen schützen wir uns mit dicken Socken, denn die Biester beißen uns immer in die Zehen, wenn sie nicht unter den Sandalenriemen durchkommen. Gleich die nächste Bucht bietet neben Zeltmöglichkeit auch Plumpsklo und Mülleimer und wir entdecken noch weitere Flecken, wo man sein Zelt aufschlagen kann. Schilf vor fast spiegelglattem See Über Stock und Stein, Felsen und Ameisenhügel erreichen wir nach einer 3/4 Stunde unser Plätzchen wieder. Wir gammeln im Sonnenschein, Nils Holgersson durchreist Uppland und besucht Uppsala und Katja strickt weitere 28 Reihen an ihrem Pullover. Mitten in dieser Idylle platzt sie plötzlich heraus: "So ein schönes Stück Zwetschgenkuchen mit Schlagsahne würde mir jetzt schmecken!" Statt dessen muss sie sich mit Hobnobs (Haferkeksen) begnügen. Na ja, es gibt wahrscheinlich Schlimmeres. Zur Abwechslung dreht der Wind auf Südost, so dass wir heute zum 4. Mal unseren Sitzplatz wechseln müssen. Vor lauter Faulenzen können wir uns nicht aufraffen, mit Kochen anzufangen.

Der nächste Tag ist unser letzter Paddeltag, der Urlaub neigt sich dem Ende zu, zumindest für einen Teil von uns. Der Himmel ist wolkenverhangen und passt zu unserer Stimmung. Wir packen alles in die Boote und als wir fast fertig sind beginnt es leicht zu nieseln. Wir machen uns, wasserdicht verpackt, auf den Weg. Die Ostsee ist bei völliger Windstille klar und glatt wie ein Ententeich. Kurze Zeit später hat es sich Petrus wohl anders überlegt, der Regen hört wieder auf noch ehe er richtig begonnen hat und in der Ferne wird es schon freundlicher grau. Trotz des bedeckten Himmels ist es erstaunlich warm und wir entblättern uns Stück für Stück aus unseren wasser- und winddichten Klamotten. Zur Müslipause blitzt die Sonne zaghaft durch die Wolken - mehr soll es an diesem Tag aber nicht werden. Ist vielleicht auch besser so, denn die letzten Tage haben ihre zartrosa Spuren auf diversen Körperpartien hinterlassen. Die Haut braucht auch mal `ne Pause. Wir fahren zwischen kleinen schilfumwachsenen Inseln hindurch und nehmen allerlei Umwege. Am frühen Nachmittag, so glauben wir, erreichen wir unseren Campingplatz, als wir jedoch die Uhr hervorholen, stellen wir fest, es ist erst kurz nach eins - kein Wunder eigentlich, der Wind hatte den ganzen Vormittag die Luft angehalten, und so sind wir trotz dümpelei und Gummibärchen gut vorangekommen. Wir beschliessen: der Zeltaufbau hat Zeit, und fahren mit dem Auto nach Loftahammar zum Eisessen und Einkaufen. Am Abend fliegt Nils Holgerson mit uns über Stockholm zu den Schären. Für Katja und Jens sind die Ferien leider (!!!!) zu Ende, sie fahren heim, während Tatjana noch ein wenig die Westküste Schwedens erkundet.


Dieser Bericht/diese Seite stammt von: Mail verschicken Wientges, Jens und Katja



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