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letzte Aktualisierung dieser Seite: 05.09.2003 Copyright: Henning Dierkes 72.29.82.190 |
Nette-BeziehungskistenNachdem Hansel und Jörg so eine rasante Nette-Hochwasserfahrt erlebt hatten und Hansel und Ute auch noch das Hasemeer erkundet hatten, wollte ich kurz darauf auch endlich mal die Nette bei Hochwasser fahren, weil ich beides noch nie gemacht hatte: Eine richtige Hochwasserfahrt, wo man über die Ufer hinausfahren kann, und wo man den eigentlichen Flusslauf suchen muss, hatte ich noch nicht erlebt, und die Nette war ich in meinem ganzen Leben überhaupt noch nie gefahren.Als es also mal wieder regnete und wir mal wieder in Osnabrück waren, hatte ich „zufällig“ meinen Neopren dabei. Boote liegen ja genug in Hollage. Meinen Dachgepäckträger hatte ich aber leider nicht dabei. Vor allem wusste ich nicht, mit wem ich überhaupt paddeln sollte, es war kurz nach Weihnachten. Den einen war’s zu langweilig, den anderen zu aufregend, den meisten zu kalt und alle anderen hatten keine Zeit. Da fiel mir aber das ideale „Opfer“ ein: Carsten! Er brauchte auch nicht lange überredet zu werden und konnte mir sogar ein Boot leihen. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag. Hansel brachte mich schnell zum Einsatzort, wo Carsten schon wartete. Während die beiden das Auto versetzten, kümmerte ich mich um die Fußstütze des von Carsten geliehenen Taifuns. Ich musste feststellen, dass dies schon die dritte Konstruktion war, die ich jemals in Taifunen vorgefunden habe, leider eine von denen, die für meine Beine nicht weit genug nach vorne gerückt werden können. Ich musste also den stabilen Alurahmen herausnehmen und die PU-Platte alleine hineinquetschen, dann konnte ich meine Beine halbwegs unterbringen. Wir gaben Hansel das überflüssige Teil mit und bereiteten einen schönen Uferstart vor. Ich war angenehm überrascht, wie sicher man sich in einem Taifun fühlt, denn ich war das ganze Jahr immer nur in meinem wackeligen Seekajak gefahren. Aber hier hatten wir jetzt ganz andere Probleme. Carsten hatte auch schon die ganze Zeit etwas skeptisch geguckt: das Hochwasser war längst weg. Wir hatten eigentlich bei jedem Paddelschlag Ufer- oder Grundberührung, später bei den engeren Kurven hatte auch das Boot viel Tuchfühlung mit den Ufern und vor allem mit den dicken Steinen im Flussbett, die teilweise einen halben Meter weit herausragten. Ein wunderschöner Steingarten, der einen natürlichen Slalomkurs beschrieb, für den mein Boot allerdings etwas zu lang war. Es war ein herrliches Landschaftsbild, man konnte das Gefälle des Flusses richtig sehen. Die Kurven waren so eng, dass ich mich wunderte, warum ich nicht noch viel öfter hängen blieb. Aber ich setzte all mein Geschick und meine ganze Kraft ein, um die Fahrt fortzusetzen und brauchte nicht aussteigen. Carsten hinter mir lachte natürlich über meine Bemühungen, sein Boot war schließlich fast einen ganzen Meter kürzer. Nach kurzer Zeit waren wir an der ersten Brücke, die nicht mehr so richtig mitspielen wollte, zum Durchfahren war sie zu niedrig. Zum Drüberrutschen war natürlich viel zu wenig Wasser da und zum schnellen Ausstieg vom Boot direkt auf die Brücke war es auch noch zu hoch. Da schlug Carsten die „Beziehungskiste“ vor: eine sehr fortgeschrittene Technik. Beide Fahrer werfen sich zur Seite, jeweils auf das Deck des anderen Bootes. Dadurch wird man flacher als wenn man sich auf das eigene Deck nach vorne oder hinten lehnt, man ist auch in einer angenehmeren Haltung. Und man ist nicht gezwungen, das Hindernis in Eskimo-Kenterlage zu durchtauchen. Das funktioniert natürlich nur zu zweit! Wir wursteln uns von einer Brücke zur anderen und erleben dabei zahlreiche Beziehungskisten, aber auch andere Geschichten. Der Versuch zwei alte Balken einfach hochzuheben und hinter uns zu werfen scheitert knapp. Kurz danach noch zwei Brücken, die so nahe beieinander liegen, dass sich das Einsteigen kaum lohnt, was wir aber vorher nicht wussten. Jedesmal überlege ich einen Brückenstart, aber das Wasser ist viel zu flach für die Landung. Erst bei der kleinen Steinbogenbrücke klappt es. Das Wehr am Endpunkt unserer Flusswanderung ist etwas verstopft, Holz und Treibgut machen einige Tore unpassierbar, dafür ist auf den restlichen einigermaßen Wasser. Trotzdem fällt uns die Entscheidung schwer. Direkt durchs Tor wird die Landung hart. Fährt man andererseits ganz rechts, landet man auf einer flachen Ebene, der ein kleinerer Abfall folgt, aber hier ist ziemlich wenig Wasser vorhanden. Als dritte Möglichkeit kann man sich rechts durchmogeln und dann am linken Rand der Abfallkante vorbei insrelativ tiefe Wasser gleiten lassen, hier muss man aber genau zielen. Ich versuche genau dies, wobei ich vorher etwas Treibgut beiseite räume. Eigentlich klappt die Abfahrt wie geplant, aber im entscheidenden Moment geht hinten die Spritzdecke auf und aus der Abfallkante ergießen sich ein paar Liter Wasser über meinen Rücken ins Boot. Ist ja jetzt auch egal, das Auto steht nur wenige Meter entfernt und wir können uns bei strahlendem Sonnenschein umziehen. Zwar kein Hochwasser, aber doch insgesamt eine Nette-Tour! Und auf dem Rückweg machen Carsten und ich schon Pläne für die nächste Spontanfahrt ... Dieser Bericht/diese Seite stammt von:
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