Die Wassergeusen - ein Verein unabhängiger Kanuwanderer

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letzte Aktualisierung dieser Seite:
15.08.2003
Copyright: Henning Dierkes

72.29.82.190

Die Erholungsreise zum Keele River
in den Northwest-Territories

im August 1998 mit Gudrun und Peter Wengler

Aus dem Abendessen wird nichts - Der Canyon des Carcajou River - Im Regen in der Nelson Lodge

Den ganzen Tag haben wir gewartet, uns kaum vom Mackenzie Valley Hotel wegbewegt. Nur nachmittags ha-ben wir uns im kleinen, verwinkelten und auch etwas unsystematischen - aber sehr sympathischen - Museum umgeschaut, natürlich nicht, ohne uns bei Monika, der Chefin des Hotels, abzumelden.

Jetzt wird es langsam Abend, fast 20.00 Uhr In Norman Wells, hoch im Norden kurz vor dem Polarkreis, ist es noch taghell und sonnig. Endlich wieder Sonne! An den Tagen zuvor hat es geregnet. Was heißt geregnet? Es hat gegossen, geschüttet wie mit Eimern! Und das war gut so. Die vielen Waldbrände rechts und links des Macken-zie River sind in den Wassergüssen ausgelöscht worden. Nur kahle schwarze Flächen zeigen sich, wo es tage- und wochenlang gequalmt und gelodert hat. Und wo der Qualm dieser Brände tagelang jeden Flug in die Berge verhinderte, weil die Piloten auf Sicht fliegen müssen.

Wir gehen hinüber zum Speisesaal. Heute wird wohl doch nichts mehr mit unserem Flug an den Keele River, den die Indianer hier im Gebiet in ihrer Sprache den "Gravel River", den Kies- und Geröllfluß nennen.

Wir warten jetzt schon vier Tage. Erst war zuviel Qualm in der Luft, der sich wie ein dichter und brandig stin-kender graubrauner Nebel übers Land legte. Dann hinderte der starke Regen die Flugaktivitäten. Endlich hat es nun wieder aufgeklart - und nun werden die Wartelisten der Buschflugunternehmen abgearbeitet. Dort herrscht jetzt Hochbetrieb. Gleich uns warten noch eine ganze Reihe anderer Gruppen, aus dem Busch wieder abgeholt oder ausgeflogen zu werden. Pausenlos starten und landen die Piloten der kleinen Maschinen, bringen Menschen und Material in Bergwerke, Explorations-, Angel- und Jagdcamps oder Kanuten wie uns an die Flüsse und Seen. Und da draußen gibt es auch genügend Leute, die wieder zurück nach Norman Wells und "in die Zivilisation" wollen - oder müssen.

Die Speisekarte kennen wir jetzt schon fast auswendig. So bestellen wir ohne langes Studieren, warten auf ein gutes Essen bei einer Flasche Wein.

Mitten hinein in die angenehmen Träume platzt Monika. "Habt Ihr schon bestellt?". Als wir nicken, eilt sie in die Küche und bestellt alles wieder ab. "Ihr werdet gleich noch von Perry an den Keele geflogen. Von North Wright Air ist schon jemand unterwegs, euch abzuholen". Wir lassen uns noch schnell ein Sandwich machen und kaum eine halbe Stunde später wird unsere Ausrüstung in die Pilatus Porter geladen, Perry füllt Sprit nach, und kurz darauf hebt der Vogel mit Gebrüll vom DOT Lake ab, quert den riesig breiten Mackenzie River und nimmt Kurs nach Westen, in die Berge der Mackenzie Range.

Erst geht es über flaches Land, bewaldet, oft auch offenes Sumpf- oder Sandgelände, durchsetzt mit vielen klei-nen Seen und von mäandernden Wasserläufen durchzogen. Ganz plötzlich steigen aus dieser Ebene Berge auf, kahle rundköpfige Buckel, fast reiner Sand und Kies, nur schütter mit dürrem ausdauerndem Bewuchs versehen. Hier haben die Rinnsale und Bäche tiefe scharfe Schnitte eingegraben. Langsam steigen die Berge an, Felszak-ken und Grate tauchen auf. Eine felsige wellige Hochebene überfliegen wir, gelegentlich dünn bewaldet. Nur zu ahnen ist der dünne Bewuchs mit trocknen Flechten und Moosen.

Plötzlich scheint diese festgefügte Felsebene von einem Riesen ein Stück, einen Spalt nur, auseinandergerissen worden zu sein. In der unergründlichen Tiefe dieses engen Schlundes gischtet und brodelt Wasser, wühlt sich durch enge Kurven, unter Felsüberhängen, stürzt Katarakte und Wasserfälle hinunter: Der lange wilde Canyon des Carcajou River. Auch Gudrun und Peter hängen an den Fenstern und kommentieren, was sie da sehen - und als Perry unsere Aufmerksamkeit bemerkt, da geht er tiefer und folgt diesem Riß in der Erde, wo sich immer neue Schnellen, Wirbel und Abfälle in der unergründlichen Tiefe zeigen, gelegentlich abgelöst von Kolken, in denen das Wasser still zu stehen scheint. Dem evtl. Paddler da unten muß dies wie der Fluß Styx in die Unter-welt des Hades aus der griechischen Mythologie anmuten.

Daß der Carcajou River ( Stachelschwein Fluß ) einen unfahrbaren Canyon besitzt wußte ich, hatte ich den Flug von Norman Wells in die Berge doch schon des öfteren unternommen. Aber in der Vergangenheit hatte ich im-mer nur den spektakulären Eingang gesehen. Übergangslos stürzen sich die Wasser des Flusses, aus einem brei-ten Kiesbett mit vielen Armen kommend, über drei hohe senkrechte Wasserfälle von jeweils mehreren Metern Höhe in den Schlund. Daß diese Felsschlucht sich noch weiter vertieft und verengt und über mindestens 15 km so fortfließt, das hatten wir noch nie gesehen. Deshalb habe ich also noch nie etwas über die Befahrung dieses Flusses gehört und gelesen, der doch eigentlich lang genug für eine ein- bis zweiwöchige Fahrt wäre. Unten in den Mackenzie Lowlands hatte ich ihn vom Flugzeug aus auch schon gesehen, wo er wie alle Flüsse aus den Bergen im Westen in der breiten Schwemmlandebene in zahllosen riesigen Mändern dem großen Flusse zu-strömte, um sich mit ihm kurz oberhalb der Mündung des Mountain River zu vereinigen.

Auch diesmal fliegt Perry über den Eingang des Canyon, wo die Wasserfälle weiß in der Abendsonne leuchten, dreht dann ab in Richtung der hohen Berge. Ein Blick auf den Höhenmesser zeigt, daß er die Maschine steigen läßt. Immer wieder gleiten wir 150 - 200 m hoch über querliegende Bergkämme, hinter denen sich tiefe Täler auftun, deren Grund im Schatten des Abends verschwindet. Welle um Welle dieser Bergkämme, jedesmal wie-der höher reichend als der vorige, erklimmt die Pilatus Porter. Immer näher rücken die gletscherbedeckten Berge der Wasserscheide zum Yukon, unter uns auf den Spitzen und Graten liegt der Niederschlag der letzten Tag als dünner Überzug aus Schnee. Als Perry die letzte der Barrieren überflogen hat ist eine dunkle Wand immer näher gekommen. Wir befinden uns in einem dicken Schnee- und Hagelschauer, die Maschine bockt und tanzt, als Perry schnell tiefer geht. Glanzlos sehen wir im Tal einen großen Fluß näherkommen: den Keele River. Im pras-selnden Regen geht es steil hinunter, auf den Fluß, aufbrüllend und mit einer weißen Fahne aus Gischt und Was-serstaub gegen den Strom, hin zu einem kleinen Anlieger neben einigen Zelten und Hütten: Die Glen Nelson Lodge.

Aus der Lodge eilen Leute herbei, helfen, die Maschine am Anleger festzumachen, unsere schwere Ausrüstung auszuladen und regensicher unter einem Vordach abzulegen. Kaum sind wir an Land und das Flugzeug entleert, macht er die Leinen auch schon wieder los und treibt auf den Fluß, startet, um schnell aus der Wolkenwand wieder hinaus in klares Wetter und sicher nach Norman Wells zu kommen. Es war nur ein ganz kurzer Abschied mit ein wenig Winken, aber für ihn geht die Sicherheit vor.

In der hereinbrechenden Dämmerung werden wir ins Küchen- und Aufenthaltszelt gebeten, bekommen Kaffee angeboten, unterhalten uns mit den dort anwesenden. Da istr einmal die Chefin, Rose Nelson, eine resolute dun-kelhaarige Frau, dazu einige der Jagdführer und eine Reihe von Gästen der Lodge, die auf den morgigen Tag warten, an dem es mit Pferden für sie in den Bergen mit der Jagd auf Caribou, Dall Schafe und anderes Wild losgehen soll. Auf meine Frage nach einem Plätzchen für die Nacht für unsere Zelte entscheidet Rose, daß wir kein Zelt aufbauen brauchen, da noch einige Liegen im Zelt der Jagdguides frei sind. Dorthin bringen wir dann Matten und Schlafsäcke - und Peter erhält "ehrenhalber" das Bett genau unter dem First in der Mitte, durch des-sen Ritzen ihm immer wieder mal ein Paar Regentropfen ins Gesicht springen. Und die Guides schnarchen, daß jeder Grizzly im Bereich von mehreren Kilometern sicher vor Angst die Flucht ergreift, wenn er nicht schon von vornherein gewußt hätte, daß die Umgebung eines bewohnten Jagdcamps für einen Petz immer eine gefährliche Gegend ist. - Und ich denke, daß auch Peter und ich bei diesem Chorus mitgemacht haben.

Die Welt ist klein und man trifft überall jemand aus seinem Dorf - Abschied von Rose und Glen - leichtes Wildwasser vor der Mündung des Ekwi River

Morgens ist im Camp einiges Los. Pferde werden aus dem Busch geholt und gesattelt, die Tiere erhalten ihre Traglasten. Sie werden alle der Reihe nach nebeneinander angebunden und warten, daß es losgehen soll. Die Jäger packen nach dem hastigen Frühstück ihre Sachen zusammen, kommen mit ihren Gewehren, Munitionsta-schen, einer bringt einen sicherlich sündhaft teuren Jagdbogen heran. In zwei Gruppen, einer großen und einer kleinen, verschwinden die Gruppen mit ihren Guides im Wald. Plötzlich ist es im Camp ganz ruhig. Wir haben diese für uns ungewohnten Tätigkeiten interessiert angeschaut, erinnern uns endlich daran, daß wir heute ja auch noch losfahren wollen. Und dafür haben wir noch einiges zu tun. Aus den großen Packen entstehen wieder Boote; Kleidung, Lebensmittel und alle die vielen anderen Dinge, verschwinden in ihren wasserdichten Pack-säcken oder den beiden großen viereckigen blauen Tonnen, die Gudrun und Peter im Boot dabei haben. Nicht zuletzt sollen sie während der Reise auch noch als Sitzgelegenheiten dienen. Sie führen bei Peter immer wieder zu Wutausbrüchen, weil sie sich einfach richtig schließen lassen wollen. Alles das wird dann zum Fluß getragen. Die Boote füllen sich und der wilde Haufen an Ausrüstungsgegenständen, der am Morgen noch scheinbar plan-los herum gelegen hatte, wird kleiner und ist endlich verschwunden.

Schon am Vorabend hatten wir uns mit einem Paar aus Deutschland, aus der Gegend des Bodensees, unterhal-ten. Ich habe leider nur seinen Vornamen, Herwig, behalten. Sie machen ebenfalls ihren Outside für die Abfahrt fertig. Es ist ein Vormodell des Gummibootes, das Gudrun und Peter fahren, noch kleiner und niedriger als das Ihre. Es bietet genügend Platz für die Passagiere, und die Ladung stapelt sich auch nicht hoch über den Dollbord. Und aufgeräumt und richtig ordentlich sieht es auch aus. Wir unterhalten uns darüber mit den beiden. Was ihre Ausrüstung betrifft, so sind sie extreme Minimalisten. Es ist jedoch gute Ausrüstung. Ihre Lebensmittelplanung treibt mir jedoch schon beim Hinhören Hungergefühle in die Eingeweide. Mit Behagen denke ich an unsere wohlgefüllten wasserdichten Packsäcke mit Lebensmitteln, zwar einfache Grundnahrungsmittel, aber solche, mit denen sich die von phantastischsten Gerichte zaubern lassen. Dazu haben wir für die ersten Tage auch noch frisches Obst und Gemüse dabei. Die beiden sind denn auch alles andere als dick, aber sie sehen gesund und kräftig aus, ihre Sparsamkeit geht also durchaus nicht auf Kosten der Gesundheit. Und da die Zahl der deut-schen Paddler, die sich in solch abgelegenen Gegenden regelmäßig bewegen, nicht gerade groß ist, unterhalten wir uns bald über gemeinsame Bekannte, von denen ich schon vermutet habe, daß ich nie wieder etwas von ihnen zu sehen oder zu hören bekomme.

Rose versorgt uns großzügig mit Essen und Trinken. Als wir hören, daß sie keine Eier mehr hat und nicht weiß, ob Glen, ihr Mann, noch heute kommen und dabei Eier mitbringen wird, lassen wir eine große Tüte unseres Volleipulvers da.

Am Nachmittag, wir sind gerade fertig zur Abreise, meldet sich Glen über Funk, daß er bald ankomme. Rose freut sich. Er bringt ihren Enkel und einen von dessen Freunden mit. Das ist eine willkommene Abwechslung, denn Glen ist oft mit seinem Flieger unterwegs und sie ist dann manchmal längere Zeit völlig alleine im Camp.

Da warten wir dann auch noch, denn wir wollen Glen wenigstens begrüßen. Alle hatten wir schon die Gast-freundschaft der Nelsons, unabhängig voneinander, erfahren. Peter und Gudrun kamen damals auf ihrer Tsichu - Keele - Tour hier an und Glen erzählte ihnen, daß er in seinem Außenposten am Divide Lake auch ein paar Paddler aus Deutschland getroffen habe und Peter meinte, daß da wohl ein Bursche mit zwei Stöcken dabeisein müsse, denn das sei sein Freund Hermann. Glen muß dann wohl die Idee bekommen haben, daß Deutschland insgesamt gesehen doch wohl recht klein ist. Und als wir dann 1996 vom Natla River aus hier ankamen, da er-kannte er mich auch gleich wieder. Schade, daß Glen und Rose 1998 ihre Lodge aufgeben, sie haben sie schon verkauft. Aber langsam müssen auch sie dem zunehmenden Alter ihren Tribut zahlen.

Es dauert auch nicht lange, dann senkt sich eine Maule brummend ins Tal, landet mit einer Gischtfahne in den leichten Wellen und lenkt zum Anleger. Glen steigt mit den beiden jungen Burschen aus. Sie haben kaum Ge-päck dabei, denn in eine Maul paßt nicht viel hinein. Wir schütteln Hände, halten einige Minuten lang ein freundschaftliches Gespräch, dann geht es in die Boote und unter Winken auf den Keele River, dessen klares leicht grünliches Wasser vor uns in der Sonne glänzt und uns regelrecht einlädt, mit ihm in die gut 300 km lange Reise zum Mackenzie River hinunter zu machen.

Der Keele River ist schnell. Obwohl seine größten Schwierigkeiten hinter ihm liegen, muß er auf dem restlichen gut 300 km langen Lauf immer noch mehr als 600 Höhenmeter hinter sich bringen. Und er ist schließlich kein kleiner Fluß mehr mit wenig Wasser. Er zieht uns mit Macht um die Kurven, zeigt uns immer neue berauschende Eindrücke der gebirgigen Landschaft, die nach dem Regen der letzten Tage und befreit vom Qualm der Wald-brände wie neu erschaffen wirkt. Ganz schnell huscht die Bachmündung vorbei, wo wir damals zwei Tage gele-gen und Tatjanas Geburtstag gefeiert haben.

Damals waren wir von hier aus in eine von Waldbränden verqualmte, graubraune und trostlose Landschaft aufgebrochen; es hatte nach Tod und Verderben bringendem Feuer gerochen. Heute ist alles grün, die Wellen blitzen, Sonnenkringel tanzen über die Felsen und Steine am Ufer. Und mehr Wasser als damals haben wir auch. Immer neue aufregende Ausblicke öffnen sich, hinter jeder Kurve wechseln die Berge ihr Gesicht, schroffe Felswände verwandeln sich in waldige Berghänge, grüne Matten und graubraune Kies- und Geröllflanken, uralte Gesteinsablagerungen ziehen sich in verschiedenen Streifen übereinander mal regelmäßig und gleichmäßig, mal verbogen und verzogen, mal zerbrochen und auseinander gerissen längs der Bergflanken dahin. Und wir können diesmal alles in Ruhe genießen, können schauen und müssen nicht immer in erster Linie auf die Schwierigkeiten eines unbekannten Gewässers achten. Das heißt nun nicht, daß wir uns einfach treiben lassen können. Der Fluß ist und bleibt schnell, kurvt durch sein hohes Gebirgstal, Felsen sind in seinem Bett verstreut; aber die Schwie-rigkeiten sind derart, daß wir ihnen nicht ständig unsere ganze Aufmerksamkeit schenken müssen, wir behalten noch genügend Zeit und Gelegenheit, uns umzuschauen. Die kleinen Herausforderungen des Flusses machen sogar Spaß, sind ein wenig das Salz in der Suppe.

Wenige Kilometer vor der Mündung des von links kommenden Ekwi River in einem engen Tal finden wir hoch auf dem rechten Ufer schöne Zeltmöglichkeiten zwischen Blumen, Büschen und niedrig gewachsenen Bäumen - ein großartiger Sonnenuntergang reflektiert seine Farben auf den weiten Hängen der gegenüberliegenden Berge.

Da das schöne Wetter anhält - obwohl morgens erst einmal Nebel durch das Tal wallt, der erst langsam beim Hochsteigen von der Sonne aufgelöst wird - haben wir auch am nächsten Tag keine Eile, fotografieren, aalen uns in der Sonne, sind richtig faul. So gehen wir erst am frühen Nachmittag wieder in die Boote, genießen wie-der den Tanz auf den glitzernden Wellen, das Kaleidoskop von Landschaftseindrücken, die Farbenkaskaden in dem Felsbändern. - Da rauscht es plötzlich vor uns heftig auf. Eine Felswand sperrt den Lauf des Keele River, lenkt ihn scharf nach rechts um eine lange Felsspitze herum, wo er mit fast 180 Grad Kehrtwendung wieder seine alte Richtung gewinnt. Aber auch hier ist eine breite Stromzunge, die eine sichere Fahrt ermöglicht und uns eigentlich in erster Linie als Abwechslung Spaß macht. Wenig später rauscht es noch einmal, direkt vor der Mündung des Ekwi River. Von links schiebt dieser kräftige Zufluß viel Geröll und Gestein in das Bett des Keele River. Die so entstandene Geröllbank drängt den Fluß nach rechts unter die hoch aufragenden senkrechten Fels-wände zusammen. Brodelnd rauschen sie in einer engen gewundenen Rinne zu Tal, dabei tückische Kehrwässer mit kreisenden saugenden Wirbel an den Rändern erzeugend. Aber beim Nähergekommen finden wir auf der linken Flußseite eine breite, genügend tiefe Durchfahrt, die uns diese Passage ohne jedes Herzklopfen "meistern" läßt. Hier unterhalb der Einmündung des Flusses hatten wir 1995 zwei Tage gelegen, nach der schwierigen Ab-fahrt auf dem Natla River uns gepflegt, in mehreren Gruppen wurden die umliegenden Berge gestiegen.

Treibenlassen bis zur Mündung - Ruhetage in brütender Hitze - wieder beginnt der Wald zu brennen

1. Teil

Gudrun und Peter steigen hier kurz aus und sehen sich um. Dort war gezeltet worden, wahrscheinlich wohl Her-wig und seine Begleiterin. Ich werfe währenddessen die Angel aus - erfolglos.

Die Weiterfahrt führt durch ein enges, gerade verlaufendes, beiderseits dicht mit Wald bewachsenes Tal. Der Fluß ist schmal, fließt ziemlich schnell über mehrere Kilometer bis zur Mündung des Twitya River dahin. Vor dem dann folgenden kleinen Canyon standen damals links in der Felswand einige Dall Schafe.

Und richtig, auch diesmal stehen einige Tiere in der Wand; ihre weiß leuchtenden Felle heben sich deutlich ge-gen den grau-braun-gelben wild zerrissenen Fels ab. Uns erscheint es wie ein Wunder, daß die Tiere dort sicher herauf und herab laufen können.

Vor dem Canyon sperrt ein Mini-Battleship-Rock die Durchfahrt, ein einsamer hoher rundlicher Felsklotz, auf dem sich einige Nadelbäumchen gegen alle Regeln der Schwerkraft und der Nahrungsaufnahme und -verwertung haben festkrallen können. Es rauscht heftig, aber zu beiden Seiten können wir uns in Ruhe vorbei treiben lassen.

Des Sekwi River bringt von links eine Menge Wasser, der Keele River wird nunmehr wohl doppelt so groß wie vorher. Die Mündung besteht aus einem unübersichtlichen Gewirre von Kiesbänken, aus denen immer wieder Mündungsarme herausgeflossen kommen. Kurz darauf, rechts hinter einer Kiesbank und etwas versteckt im Wald liegend, die Keele River Lodge, ebenfalls ein Jagdcamp. Wir grüßen winkend, als einige Leute zum Ufer kommen, dann hat uns der stille und schnelle Fluß wieder.

Eine ganze Weile begleitet uns der Sekwi Mountain. Hoch über dem Tal fallen die vielen säulenartigen Felsfor-mationen, durchsetzt mit wilden Schründen und Höhlen, in Reih und Glied längs der Kante zum Tal postiert, auf. Und hier brennt es auch wieder, wenn auch nur in dünnen schütteren Flecken. Bleibt nur zu hoffen, daß so schnell kein Wind aufkommt, der die Brandnester in Bereiche blasen wird, wo sie mit ausreichend frischem Nadelholz wieder richtig zu brennen beginnen können.

Eine Tagereise weiter liegt links hoch auf der Uferbank eine Hütte. Dort hatte eine Zeitlang ein Team des Wild Life Service gelebt und Studien über Vorkommen und Anzahl von Tieren gemacht. Hier halten wir Mittagrast. Die an sich noch in gutem baulichem Zustand befindliche Hütte ist in ihrem inneren wüst zugerichtet. Welche Gruppe hatte denn darin derart wild gehaust? Es drängte uns, bald wieder weiter zu fahren..

Nach etlichen Tagen schönen Wetters wird es trüb. Nachmittags beginnt es zu regnen. Der Fluß beschreibt einen scharfen Bogen nach rechts um eine riesige Kies- und Geröllinsel herum. Im letzten Moment sehen wir sie am Ufer herumstromern: eine Schwarzbärin mit ihrem Jungen. Wir steuern ganz schnell in ein Kehrwasser. Die Bärin hat uns wohl bemerkt, läßt sich aber keinen Augenblick in ihrer Futtersuche stören. Wir scheinen ihr wohl ausreichend Abstand zu halten - und der tiefe schmale Flußarm zwischen ihr und uns verstärkt dieses Sicher-heitsgefühl noch. Wir schauen ihnen, trotz Regen, Wind und Kühle, lange zu. Sie fressen und schmatzen an den jungen Trieben der Uferpflanzen. Völlig unbekümmert tollt das Junge wie eine kleine schwarze wollige Kugel mal umher, mal knabbert es selbst an Zweigen und Wurzeln. Es ist erst im letzten Winter geboren und wird daher noch weitgehend durch Säugen ernährt. Erst als die beiden den Uferstreifen systematisch nach Nahrung abgesucht haben werden sie langsam im Gebüsch unsichtbar.

Auf der Insel finden wir eine gute Zeltmöglichkeit. In einer kurzen Regenpause sind die Zelte schnell errichtet. Zuletzt hört der Regen ganz auf. Da es aber immer noch grau und trüb von tiefhängenden Wolken ist bestehe ich darauf, auch noch die Tarp aufzubauen. Peter scheint mir von dieser Idee gar nicht so angetan zu sein. Kaum steht die Tarp aber endlich - wir haben sie über Stangen in einem Dreiviertelkreis um einen kleinen Baum aufge-baut - da beginnt es wieder zu regnen, nein, zu schütten wie aus Eimern! Da sind wir alle doch ganz froh, die unangenehme zusätzliche Arbeit, schon spät und bei Dunkelwerden, noch erledigt zu haben. Sicher vor Regen und Wind können wir hier Holz hacken, kochen und endlich essen. Danach sitzen wir noch lange im Dunklen unter der Plane, der Regen prasselt mit dem wärmenden Feuer um die Wette, wir erzählen oder träumen nur einfach in die Nacht.

Es regnet die ganze Nacht durch, auch noch morgens, so daß wir in den warmen Schlafsäcken liegen bleiben. Und während wir anschließend wieder sicher unter der Plane unser Frühstück zubereiten, klart der Himmel auf. Wir können die nasse Ausrüstung trocknen und bei wieder schönem Wetter weiterfahren.

Vor dem Red Dog Mountain durchbricht der Keele River den letzten Felsriegel vor den Mackenzie Mountains. Hier passieren wir ein langes Waldgebiet, das bei unserer Reise vor drei Jahren über Wochen die gesamte Ge-gend verqualmt hatte. Heute in der hellen Sonne liegend schaut der Platz wesentlich freundlicher aus, obwohl immer noch über weite Strecken Braungrau bis Schwarz daliegend. Aus der Erde ragen wie spitze Speere die Gerippe der verbrannten Bäume hoch oder liegen wirr durcheinander gestürzt herum. Andererseits haben sich bereits viele Pionierpflanzen neu angesiedelt. Schade, daß die Weidenröschen schon verblüht sind; ihr typisches rotviolettes Leuchten hätte dem Land eine besonders schöne Note aufgesetzt und dem Bild des Todes entgegen-gewirkt.

Rechts steigen die Felswände an die 20 bis 30 Meter senkrecht aus dem Fluß, setzen sich dann in weiten meist kahlen Schutt-und Geröllhalden bis auf die Kuppen der Berge und Hügel fort. Links zum Red Dog Mountain hin ist das Ufer vielgestaltiger. Aber auch dort dominieren in den mittleren und oberen Lagen Schutt- und Geröllhal-den. Wir mutmaßen, woher wohl der Name des Berges - "Roter Hund - Berg" - kommen mag, kommen aber zu keinem Ergebnis. Die Form und Farbe des Berges wie auch des umgebenden Landes lassen jedenfalls keinen vernünftigen Schluß zu.

Schon seit der Mündung des Sekwi River hat der Fluß seinem indianischen Namen "Kies- und Geröllfluß" über weite Strecken alle Ehre gemacht. Jetzt in den Mackenzie Lowlands verstärkt sich dieser Eindruck noch ums Vielfache. Zwar begleiten den Fluß rechts wie links bis kurz vor die Mündung noch steile und hohe Fels- und Erdwände, doch sie liegen meist kilometerweit auseinander und der Keele River mäandert dazwischen in riesi-gen Schleifen, aufgeteilt in eine Reihe von kleineren und größeren, sich weiter verzweigenden und wieder zu-sammenfließenden Armen. Hier gibt es wieder Navigationsprobleme. Zuerst fällt es dem Keele River ein, mehrmals mit seinem stärksten Arm, den wir uns auch ausgewählt haben, rechtwinklig gegen diese steilen Ufer-wände in scharfem Schwall über Kiesbänke hinunterzurauschen. Nicht immer ist vorher eindeutig zu erkennen, ob die Wasser dabei unter unterspülte Wände ziehen. Solche Gefahren sind allerdings leicht zu vermeiden, in-dem wir schon im Schwall weit vorher in Richtung des ablaufenden Wassers lenken. Aber dort produziert die Gewalt der Wassermassen derart starke Wirbel, die mit uns machen, was sie wollen, daß wir fast den Eindruck haben, vom Regen in die Traufe zu kommen. Peters wilde Schimpfkanonaden jedenfalls zeigen deutlich, daß ihm diese Situationen nicht gefallen.

Aber dann beginnt sich der starke und viel Wasser führende Arm immer mehr zu verzweigen. Das Frühjahrs-hochwasser hat obendrein noch die Kiesinseln umgeräumt, deren Bäume und Büsche umgerissen und zu bösarti-gen Log Jams, Baumverhauen, mitten im Stromzug zusammengetragen und aufgehäuft. Rechts oder links daran vorbeizufahren ist im engen reißenden Flußarm nur mit viel Risiko möglich. Und diese Risiken können tödlich sein, wenn Boot und Fahrer in die Baumverhaue hineingetrieben und zwischen den Ästen und Stämmen einge-klemmt werden. Dann dauert es meist nur kurze Zeit, bis die reißende Strömung das Menschlein unter Wasser zieht und dort unrettbar festhält.

So lassen wir diese abzweigenden Arme auch brav immer rechts liegen - und sitzen denn auch bald auf dem Trocknen. Jeder abzweigende Arm hat Wasser weggenommen, zuletzt bleibt uns nur noch ein Rinnsal, ausrei-chend, nasse Füße und Beine zu machen, zu wenig, um fahren zu können.

Über Kies- und Sandbänke, angeschwemmte Bäume, quer durch dichtes Gebüsch stapft Peter, kundschaftet eine Route aus, die uns wieder in breites und sicheres Wasser führen soll. Dann werden unsere Schifflein mehrfach über kaum noch Wasser führende Rinnen hinuntergeschleppt und getreidelt, bis wir so endlich wieder auf einem großen, ruhigen und breit längs des rechten Ufers führenden Arm weiterfahren können.

Treibenlassen bis zur Mündung - Ruhetage in brütender Hitze - wieder beginnt der Wald zu brennen

2. Teil

Wir wußten es ja schon vorher: Gute Zeltplätze sind in den Mackenzie Lowlands Mangelware. Und so erinnere ich mich noch rechtzeitig an die riesige Kies- und Sandfläche gegenüber einer Bachmündung unterhalb des letz-ten Ausläufers des Red Dog Mountain. Dort hatten wir schon vor drei Jahren gezeltet. Mehrere Hochwasser haben den Ort zwar verändert, aber zwischen niedrigen Büschen und riesigen Baumleichen finden wir mehrere flache Sandflecken, die unseren Zelten Platz bieten. Die Küche wird auf dem hohen Kiesufer aufgebaut und da das Wetter schön ist ersparen wir uns den Aufbau der Plane. Bald brennt das Feuer, in den rauchgeschwärzten Töpfen schmurgelt das Abendessen und viel Tee. Und als es dann dunkel geworden ist liegen wir im Sand und schauen in den klaren Himmel, an dem so viele Sterne leuchten, wie es über unseren industrieverqualmten Brei-ten gar nicht mehr möglich ist.

Keine einzige Wolke zieht am folgenden Morgen über den Himmel - genau die Gelegenheit, einen Tag zu fau-lenzen.

Es wird eine regelrechte Faulenzerorgie. Haben wir sonst an jedem "Ruhetag" noch eine Menge zu richten und zu reparieren, so gibt es heute außer der Küchenarbeit und dem Essen keinerlei Verpflichtungen. Wir liegen den ganzen Tag nur in der Sonne, lesen, erzählen, lesen wieder, dösen. Es ist einfach herrlich faul! Und schließlich haben wir ja noch viel, viel Zeit.

So kann auch der nächste Paddeltag nicht als Rekordmarke für gefahrene Strecke, Anstrengung oder Paddeldau-er herhalten. Wir fahren, besser: wir lassen uns gerade so weit treiben, daß wir mit dem nächsten Paddeltag be-quem den Mackenzie River erreichen können. Dann finden wir auf einer Insel mit viel Geröll und Sand und wenig Bewuchs wieder einen sonnigen Zeltplatz. Hier wollen wir einen weiteren faulen Sonnentag genießen.

Welch ein Gegensatz zur Fahrt vor drei Jahren! Da hatte es meist geregnet, ein kalter Wind pfiff, der Herbst mit Schnee und Kälte jagte uns vor sich her. Jeden Tag kam die Schneegrenze auf den Bergen ein Stück tiefer. Ru-hetage gab es meist nur, wenn es mal besonders stark regnete und windete.

Diesmal meint es das Wetter dagegen besonders gut mit uns. Gelegentlich suchen wir stöhnend und schwitzend unter den niedrigen Büschen nach Schatten. Und damit Peter beim Lesen auch schön weich liegt hat er sich den Pustekanadier in die Sonne gelegt und verbringt darin liegend mit einem Buch in der Hand Stunde um Stunde.

Bis zum Mackenzie River sind es Luftlinie nur noch wenige Kilometer. Als es abends immer stiller wird - wenn es denn in der Wildnis stiller werden kann, aber abends und nachts sind viele Geräusche aus mir unerfindlichen Gründen deutlicher und weiter hörbar - dann dringt bereits das Geräusch arbeitender Maschinen zu uns herüber, und einmal sind wir überzeugt, daß es sich um das Tuckern eines Schiffsdiesels handelt.

Am letzten Tag wird der Keele River - zum ersten Mal, seit wir losgefahren sind - auf den letzten drei oder vier Kilometern langsamer. Erst noch entschädigt uns die Fahrt längs einer endlos langen hohen Wand aus Felsbrok-ken und festgepreßtem Kies und Sand für die Notwendigkeit, nunmehr auch einmal richtig paddeln zu müssen, um voran zu kommen. Von der Wand halten wir respektvollen Abstand, war doch bei der Anfahrt unter Prasseln, Rauschen und Spritzen und ohne Staublawine ein Stück von etlichen Tonnen oben abgebrochen und ins Wasser gestürzt. So etwas soll denn doch nicht auf unsere Häupter herniedergehen.

Die hohe Wand weicht dann nach Norden zurück, bildet die westliche Talbegrenzung des Mackenzie River. Im weiten Bogen zwischen vielen niedrigen Inseln trägt uns der Keele River zu seinem ähnlich gestalteten rechten Ufer. Das ist allerdings hier längst nicht so steil und über weite Strecken dicht bewaldet. Und es zeigen sich wieder große Flecken qualmenden, brennenden Waldes. Wo Flammen und Glut ihr zerstörerisches Werk schon verrichtet haben liegen schwarz verkohlte Baumstämme auf dem rußgeschwärzten Boden oder stechen ankla-gend kahl in den Himmel. Auch hier hoffen wir, daß kein Wind die Feuernester zu heller Glut anfachen möge.

Das Tal ist hier mächtig breit geworden. Darin mäandert der Fluß zwischen niedrigen Kies- und Sandbänken und -inseln dahin. Zum Greifen nah scheint uns schon das gegenüberliegende Ufer des Mackenzie River. Und doch dauert es eine kleine Ewigkeit, bis wir diesen mächtigen Strom erreichen. Mit den Schleifen und Mäandern des Keele River wandert der im Osten liegende ____________ Mountain, fast 1.800 m hoch und vor drei Jahren um diese Zeit schon bis auf halbe Höhe mit Schnee bedeckt, immer wieder vor uns von rechts nach links, von links nach rechts.

Endlich haben wir den Mackenzie River erreicht, deutlich erkennbar an einer Fahrwassertonne - und vor dem fernen östlichen Ufer erstreckt sich vor uns nur noch eine riesige Fläche Wassers. Zuletzt war es nur noch zwi-schen Kiesbänken und -inseln hindurchgegangen. Ob wir noch auf den Wassern des Keele River paddelten oder schon auf denen des Mackenzie, war einfach nicht feststellbar. Als wir den letzten niedrigen Kiesausläufer vor der großen offenen Wasserflächge passieren deutet Peter darauf und meint lakonisch: "Das ist dann wohl das Kanadische Eck; aber ohne Kaiser!"

Wir queren den mehrere Kilometer breiten Strom, zelten an der Mündung des ___________ Creek. Dort will uns Frank Pope aus Norman Wells in zwei Tagen abholen.

Ein Uraltflieger als Hobby - der Bach mit beschränkten Zeltmöglichkeiten - Norman Wells hat uns wieder

Es nimmt einige Zeit in Anspruch, den riesigen Strom zu queren. Bei der heutigen klaren Luft scheint alles viel näher zu sein. Langsam lassen wir uns dann längs des steilen Ufers hinuntertreiben. Oben sehen wir eine Hütte, aber es scheint niemand zu Hause zu sein. Dann brummelt es über uns, ein Flugzeug. Das landet hinter uns auf dem Fluß, kommt dann zu uns ans Ufer. Der Pilot muß Sprit in den Tank umfüllen und nutzt die Gelegenheit, mit uns ein Schwätzchen zu halten. Dabei erfahren wir, daß er in Norman Wells eigentlich zu Hause ist, nach Inuvik zum Feiern fliegt, diese Maschine gerade erst gekauft hat, daß sie über fünfzig Jahre alt und sein Hobby ist, daß er natürlich Frank, der uns abholen wird, kennt, undsoweiter undsofort. Und einige Dinge will er auch von uns wissen, aber das nur so am Rande.

Dann ist sein Tank wieder gefüllt, er legt ab, zieht in die Mitte des Flusses. Daß es sich um einen alten Flieger handelt merken wir daran, daß er sein Schätzchen erst beim zweiten Versuch auf den Schwimmern ins Gleiten bekommt und so schnell genug für den Start wird. Bald liegt der Fluß wieder still in der Sonne.

Wir paddeln die kurze Strecke weiter bis zur Bachmündung. Der von Frank empfohlene Platz sieht aber nicht sehr einladend aus. Oberhalb der Bachmündung liegt eine zum Glück nicht mehr ganz so steile Geröllhalde. Nur ganz oben finden sich zwei gerade ausreichende ebene Plätzchen für die Zelte, die wir erst noch ein wenig glät-ten müssen. Aber am Ufer ist tiefes Wasser, so daß Frank hier gut anlanden kann.

Die Tarp wird dachförmig zwischen zwei paralleel liegenden angetriebenen Baumstämmen erbaut. Sie sieht nach dieser Reise doch recht mitgenommen aus. An vielen Stellen ist die Beschichtung abgerieben, kleine Lö-cher lassen die Sonne durchblitzen. Ja, sie hat in den letzten zehn Jahren mehrere solcher Reisen mitgemacht und ist dabei "in Ehren alt und grau geworden."

Jetzt haben wir wieder viel Zeit. Bei warmen Sonnenschein können wir die Boote abbauen, säubern und verpak-ken, dazu die übrige Ausrüstung. Gudrun und Peter schauen sich auch die Umgebung und die Hütte an. Es ist ein ganzer Komplex mehrerer Behausungen, zumindest von außen nicht gerade einladend wirkend. Was nicht mehr gebraucht wurde blieb einfach so liegen und gammelt nun still vor sich hin. Wohin auch damit? Die nächste Müllabfuhr ist weit, weit weg. Von den Hütten führt ein Weg mitten in den Busch, wohin, läßt sich nicht fest-stellen; wahrscheinlich zur nicht weit vorbeiführenden Winter Road.

Unsere Erholungsfahrt endet schließlich mit Regen und Wind. Wir bekommen gerade noch die Zelte und ihren Inhalt trocken verpackt. Nur die Tarp bleibt noch stehen, darunter warten wir im Trocknen und gut warm einge-packt.

Gegen Mittag kommt Frank mit seinem Motorboot. Schnell ist alles verladen und wir brausen mit ziemlichem Tempo den Mackenzie River hinunter. Auf den etwa 170 km passieren wir mehrere kleine Sommersiedlungen, manchmal nur Ansammlungen einiger großer Zelte, vorbei an Deliné, dem früheren Fort Norman, direkt an der Mündung des Great Bear River. Der fließt glasklar aus dem riesigen Great Bear Lake aus und vermischt sich hier mit den trüben Fluten des Mackenzie River. Aus den hohen Uferwänden steigt gelegentlich Qualm auf, Folge von Oxidationsprozessen in der Erde, wo seit Urzeiten abgelagertes organisches Material mit Sauerstoff in Verbindung tritt. Vorbei geht es am Bear Rock, einer hier in den Mackenzie Lowlands weithin sichtbaren felsi-gen Erhebung - und über viele viele Kilometer vorbei an dem immer noch braun-schwarz verkohlt daliegenden Gebiet eines riesigen Waldbrandes, der hier vor drei Jahren wütete und sowohl Fort Norman als auch Norman Wells gefährdete, ehe er gerade noch rechtzeitig durch aufkommendes Regenwetter gelöscht wurde.

Weit vor uns taucht wie ein Fanal die orange-rote Fackel der Ölraffinerie von Norman Wells auf - und kurz dar-auf legen wir am Dock an, werden ins kleine Hotel gebracht. Ein langes heißes Bad, ein gutes Abendessen und ein richtiges Bett erwarten uns dort.

Alles in allem: Nach dem Mountain River hat uns der Keele River eine wirkliche Erholungstour geboten, bei der obendrein auch noch das Wetter mitspielte.

Die Infoseite wird erst noch erstellt !! Wir bitten um ein wenig Geduld. Danke.



Dieser Bericht/diese Seite stammt von: Mail verschicken Harbisch, Hermann



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