Die Wassergeusen - ein Verein unabhängiger Kanuwanderer

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letzte Aktualisierung dieser Seite:
15.08.2003
Copyright: Henning Dierkes

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Thlew-ee-cho-dezth / Back River


Großer Fisch - Fluß
Reise auf dem Back River in den Nordwest Territorien Kanadas
Juli / August 1990



mit:
RobertMichaelHubertHermann

Auf in den Sommerurlaub - ins Eis !

Unter uns dehnt sich, trotz späten Abends und geschlossener Wolkendecke geheimnisvoll leuchtend, eine riesige, ausgezackte weiße Fläche der Aylmer Lake. Eis! Eis, so weit wir sehen können. Wir sind ungefähr, 400 km nordöstlich Yellowknife, der Hauptstadt der Northwest Territories Kanadas. Die zweimotorige Twin Otter pfeift und dröhnt mit uns Vieren, zwei Piloten und an die 400 kg Gepäck über die endlose, graugrüne, seengesprenkelte Tundra. Und diese Seen sind noch voller Eis! Dabei ist unser Startpunkt für den Back River nur noch wenige Meilen nordöstlich gelegen, der Muskox Lake. Der Aylmer Lake wird nur durch eine schmale Landzunge vom Quellgebiet des Back River getrennt.

Der Pilot deutet nach unten: "Muskox Lake" kann ich mehr ahnen als verstehen bei dem Lärm der Maschinen. Auch hier Eis, so weit das Auge reicht. Nur ganz kurz vor dem Ausfluß, dem Übergang In die Schnellen, ist der See eisfrei. Ob das für die Maschine reichen wird?

Der Pilot zieht das Flugzeug tiefer, folgt nun dem Lauf des Back River. Die Schnellen sehen nicht sonderlich problematisch aus, sind jedoch mit Felsen und Felsbrocken durchsetzt. Der Pilot sucht noch nach einem Mann, der von einer Maschine seiner Gesellschaft vor ein paar Tagen alleine mit seinem Kanu und an die 150 kg Gepäck hier abgesetzt wurde. Nur wenige Kilometer weit ist er gekommen. In den Schnellen ist er quer vor einen Fels getrieben, das Boot kenterte, Ist zerbrochen, der Großteil der Ladung verloren. Mit einem Funkgerät hat er sich wieder gemeldet und soll nun abgeholt werden. "Der Mann war mental offensichtlich gar nicht auf so eine Fahrt vorbereitet! - Nervös, überdreht und unsicher", so schilderte es mir der Pilot, der ihn reingeflogen hat.

Nach dem Muskox Lake und den Schnellen ein Stück offener Fluß, dann seeartige Ausweisungen - und wieder Eis! Ein paar Meilen, dann ein kleiner See, eisfrei. An seinem Ausfluß eine kräftige Schnelle. Brodelnd und weißgischtend bricht der Back River durch einen Felsriegel, fließt dann, soweit wir sehen können, ohne Eis durch die flache Tundralandschaft. Wir folgen dem Fluß noch ein Stück, dann dreht der Pilot um. Er hat den verunglückten Paddler hier nicht entdecken können, kehrt zu dem kleinen eisfreien See zurück. Noch einmal zieht er genau über die Schnellen hinweg. Ob wir die wohl fahren können? Das Wasser ist glasklar; unwirklich schimmern die Felsen in gedämpften grünblaugrauen Farben zwischen Wellen, Walzen und Brecherschaum zu uns hinauf. Auf einer Bucht des Sees wassert das Flugzeug, strebt einer kleinen Halbinsel mit halbhohem Felsufer zu. Hier laden wir schnell aus, nachdem Robert mich Huckepack ans Land geschIeppt hat. Mit seinen angeschäfteten Watstiefeln kann er im Wasser trockenen Fußes hinübergehen.

Keine halbe Stunde ist vergangen, da verabschieden sich die beiden Piloten. Erst mit einem kurzen Stottern, dann sofort lautem Brüllen, zieht die Maschine auf den See, startet gegen den Wind in unsere Bucht hinein, zieht noch eine Schleife über uns und dreht nach Südwesten ab. Dort hören wir sie noch öfters ihre Runden drehen bei der Suche nach dem gekenterten Paddler, den die beiden Piloten wohl auch bald gefunden haben, denn wir hören etwa eine Stunde später wieder das laute Motorengebrüll des Starts aus einigen Kilometern Entfernung zu uns herüberdröhnen. Offensichtlich hat der Mann gerade nur den Weg bis zu den ersten Schnellen geschafft, etwa 1 - 2 km.

Wir sind etwas nachdenklich geworden. Der Thlew-ee-cho-dezth (Großer Fisch - Fluß), wie ihn die Caribou Inuit, die hier früher lebten nannten, gilt als einer der schwierigsten und härtesten Flüsse Kanadas für Kanutouren. Robert und ich haben uns auf diesen Fluß, von den Weißen Back River genannt, sehr sorgfältig über Jahre vorbereitet, haben erst einmal leichtere und klimatisch weniger ungünstige Flüsse im Süden gefahren, dann unseren ersten Tundrafluß, den Coppermine River. Vor vier Jahren sind wir, damals schon mit Hubert, den Kazan River gefahren, an die tausend Kilometer vom Kasbah Lake bis zu seiner Mündung in den Baker Lake, ebenfalls einen Tundrafluß, der uns während fünf Wochen nichts geschenkt hatte. Aber der Coppermine führt nach etwa 350 km wieder in die Waldtundra zurück, die er erst wenige Kilometer vor seiner Mündung ins Eismeer verläßt; und der Kazan River kommt aus der Waldtundra, so daß man auch an seinem Lauf praktisch bis zu seiner Mündung immer noch Holz findet, wenn auch während der letzten 400 km nur noch Treibholz. Der Back River war nun ein reiner Tundrafluß, ohne jeden Baum, erst recht ohne jeden Wald. Keine einzige bewohnte Hütte, erst recht kein Dorf oder gar eine Stadt Ist an seinem Lauf zu finden. Wir haben uns hier zu seinem Oberlauf hinfliegen lassen und müssen uns auch am Ziel unserer Reise wieder von einem Buschflugzeug abholen lassen. Dazu haben wir mit Air Tindi, die uns eingeflogen haben, Abmachungen getroffen, haben alternativ drei Zielpunkte angegeben, wo wir am 5. August zu finden sein sollten. Heute ist nun der 30. Juni, spät abends, nach 22.00 Uhr - und unsere Reise hat endlich begonnen.

Wir sind zu viert. Robert und ich haben schon seit fast 20 Jahren mehrere Reisen mit Kanu und Faltboot in Nordkanada und Skandinavien gemacht, kennen uns seit unserer Kindheit. Hubert war bereits vor vier Jahren auf dem Kazan River dabei und ich kenne Ihn seit einigen Fahrten in den Mackenzie Mountains; also auch er ein erfahrener "Buschkanute". Der letzte im Bunde ist Michael, auch er kein Neuling, hat er doch erst vor wenigen Jahren mit Hubert den Noatak River in Alaska gefahren. Wir benutzen Faltboote, T 9 - Einer von Klepper. Es sind zwar ältere Boote, aber alle in gutem Zustand und für die Bedingungen unserer Reise zusätzlich ausgerüstet, zuverlässig und gut zu handhaben. Wir fahren einen Großfluß, der zusätzlich noch mehrfach Riesenseen durchquert. Für diese Bedingungen erscheinen uns Kajaks geeigneter als Kanus. Außerdem wissen wir, daß eine große Anzahl Stromschnellen auf uns wartet; nach unserer Erfahrung auch besser mit Kajaks denn mit Kanus zu fahren. Dafür müssen wir natürlich die gegenüber großen offenen Kanadiern schlechteren Pack- und Staubedingungen akzeptieren.

Wir haben für exakt fünf Wochen Proviant mit uns, lauter leichtgewichtige Trockennahrung, die wir teilweise per Paket postlagernd von zu Hause nach Yellowknife geschickt haben.

Wir mußten früh im Sommer losfliegen, damit das Risiko in Kauf nehmen, daß auf den Seen noch Eis zu finden ist. Spätestens ab 10. bis 15. August zieht im Norden der Northwest Territories, wo der Back River im Chantrey Inlet ins Eismeer mündet, der Herbst mit Sturm, Eis und Schnee ein. Dann wollen wir am Ziel sein und wieder nach Süden geflogen werden.

Wir errichten die beiden Zelte, beides Hauszelte, eines davon mit einem Vorzelt und Apsis, damit wir bei schlechten Wetterbedingungen uns darin geschützt versammeln können. Die Häringe und der Traufrand werden zusätzlich sorgfältig mit schweren Steinen als Schutz gegen aufkommenden Wind belegt. Auch das "Sonnensegel", eine leichte Plane von drei mal vier Metern Fläche, wird aufgebaut. Darunter verschwindet unser gesamtes Gepäck. Dann kriechen wir in die Zelte. Es ist schon weit nach Mitternacht, aber um diese Zeit trotz verhangenem Himmel noch hell. Das kann uns indes nicht stören. Schließlich liegt der Transatlantikflug und ein fast ebenso langer Flug in den Nordwesten Kanadas mit einer Zeitverschiebung von neun Stunden hinter uns, ein hektischer und anstrengender Tag. Und so sind wir schnell in tiefen und traumlosen Schlaf versunken.

Zwei Tage Akklimatisierung - Schnellen, viele große Schnellen

Sonntag, 1. Juli: Zum Frühstück gibt es Brot, richtiges Roggenbrot vom Bäckermeister Kruse in Yellowknife, dazu viel heißen Kaffee. Ich habe zwar noch auf dem Benzinkocher gekocht, aber wir haben schon gesehen, daß es hier auch Holz gibt. Holz, das heißt In der Tundra: finger- bis daumendicke Stäbchen von Krüppelweiden und -birken. Aber es wird uns helfen, mit unserem Benzinvorrat sparsam umzugehen. .....


Interesse geweckt? Den vollständigen Bericht gibts demnächst HIER als dpf-Download.



Dieser Bericht/diese Seite stammt von: Mail verschicken Harbisch, Hermann



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